Altersvorsorgedepot 2027: Der grosse Riester-Nachfolger-Test

Förderung, Kosten, beste Anbieter – alles was du jetzt wissen solltest

Das wichtigste in Kürze:

Das Altersvorsorgedepot ersetzt ab dem 1. Januar 2027 die gescheiterte Riester-Rente. Der Bundestag hat das neue Gesetz am 27. Maerz 2026 beschlossen. Kernpunkte: Staatliche Foerderung von bis zu 540 Euro pro Jahr, Anlage in ETFs und Fonds, kein Versicherungsmantel mehr, erstmals auch Selbstaendige foerderberechtigt. Wer ab 2027 dabei sein will, sollte sich jetzt vorbereiten.

Warum das Altersvorsorgedepot ein Gamechanger ist

Jahrelang galt die Riester-Rente als Sinnbild für bürokratisches Kuddelmuddel: hohe Kosten, minimale Rendite, kaum jemand hat sie wirklich verstanden. Das ändert sich jetzt. Der Bundestag hat mit dem Altersvorsorgedepot eine der größten Rentenreformen der letzten Jahrzehnte beschlossen – und für einmal klingt das nicht wie eine leere Politikerformel, sondern wie ein echter Fortschritt für Millionen Sparerinnen und Sparer in Deutschland.

In diesem Artikel erfahrt ihr, was das neue Altersvorsorgedepot genau ist, wie viel Förderung ihr bekommt, welche Anbieter infrage kommen und was ihr bereits heute tun könnt, um am 1. Januar 2027 sofort starten zu können.

Was ist das Altersvorsorgedepot? (einfach erklärt)

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge. Das Konzept ist simpel: Ihr spart regelmäßig Geld in ETFs oder Investmentfonds – und der Staat legt jedes Jahr eine Zulage obendrauf. Es gibt keine verpflichtenden Beitragsgarantien mehr, die früher bei Riester dafür sorgten, dass das Geld kaum in Aktien angelegt werden durfte.

Der entscheidende Unterschied zur Riester-Rente: Statt teurer Versicherungsprodukte könnt ihr günstige ETFs mit Gebühren von 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr nutzen. Das klingt nach wenig Unterschied, ist aber über Jahrzehnte ein Vermögensfaktor – dazu später mehr.

Altersvorsorgedepot vs. Riester-Rente: Der direkte Vergleich

Hier seht ihr auf einen Blick, was sich gegenüber der alten Riester-Rente konkret verändert:

Kriterium

Riester-Rente (alt)

Altersvorsorgedepot (neu)

Anlageform

Versicherung/Fonds mit Garantie

ETFs & Fonds frei wählbar

Beitragsgarantie

100 % Pflicht

Keine Pflicht (optional)

Durchschn. Rendite p.a.

~1-2 % nach Kosten

~6-8 % (bei ETFs möglich)

Grundförderung/Jahr

175 Euro fest

Bis zu 540 Euro (dynamisch)

Kinderzulage/Jahr

300 Euro (ab 2008)

Bis 300 Euro (1:1 Matching)

Kosten

Bis 3-4 % Effektivkosten

Max. 1,0 % Kostendeckel

Selbständige

Nicht förderberechtigt

Erstmals förderberechtigt

Flexibilität

Starr, 70 % Verrentungspflicht

Flexibel, bis 30 % Einmalentnahme

Start

Seit 2002 aktiv

Ab 01.01.2027

Fazit: Das Altersvorsorgedepot ist in praktisch jeder relevanten Kategorie besser aufgestellt als die Riester-Rente. Besonders der Wegfall des Versicherungsmantels und die deutlich höhere und flexiblere Förderung sind echte Gamechanger.

Wie hoch ist die staatliche Förderung?

Die Förderung des Altersvorsorgedepots funktioniert anders als bei Riester – und besser. Statt fixer Beträge gibt es jetzt ein dynamisches Matching-System: Der Staat zahlt 50 Prozent eurer Einzahlungen bis 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr, also bis zu 180 Euro. Auf Beträge zwischen 361 und 1.800 Euro gibt es 25 Prozent Zulage, was weitere 360 Euro bedeutet. Die maximale Grundzulage beträgt damit 540 Euro pro Jahr.

Dazu kommt die Kinderzulage: Für Kinder mit Kindergeldanspruch erhaltet ihr bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr als 1:1-Matching des Eigenbeitrags. Familien mit mehreren Kindern profitieren also überproportional.

Rechenbeispiele: Was bekomme ich wirklich?

Sparerin/Sparer

Eigenbeitrag/Monat

Förderung/Jahr

Förderquote

Single, 30 J., Arbeitnehmer

100 EUR

ca. 390 EUR

~33 %

Familie, 2 Kinder

150 EUR

bis 1.140 EUR

~63 %

Selbständige(r), 40 J.

200 EUR

540 EUR

~23 %

Geringverdiener, 1 Kind

50 EUR

bis 600 EUR

>100 %

2. Was ist SCHUFA-relevant? Diese Daten werden gespeichert

Nicht jede finanzielle Aktivität erzeugt automatisch einen SCHUFA-Eintrag. Nur ganz bestimmte, sogenannte SCHUFA-relevante Ereignisse werden erfasst. Ein weit verbreiteter Irrtum: Die SCHUFA kennt weder Ihr Einkommen, noch Ihr Vermögen, Ihren Beruf, Familienstand oder Ihre Kontoauszüge.

Positive SCHUFA-relevante Ereignisse (verbessern die Bonität)

  • Eröffnung und ordnungsgemäße Nutzung eines Girokontos oder Kreditkartenkontos
  • Aufnahme eines Ratenkredits, Autokredits oder einer Baufinanzierung
  • Pünktliche und vollständige Rückzahlung eines Kredits
  • Abschluss eines Telekommunikationsvertrags mit Laufzeit

Negative SCHUFA-Einträge (verschlechtern den SCHUFA-Score)

  • Unbezahlte Rechnungen nach zweifacher Mahnung und Ankündigung des SCHUFA-Eintrags
  • Vollstreckungsbescheide und rechtskräftige gerichtliche Urteile
  • Eröffnung eines Insolvenzverfahrens oder Restschuldbefreiung
  • Vorzeitige Kreditkündigung durch eine Bank
  • Mehrfache Kreditanfragen in kurzer Zeit (schlechtes Signal)

Steuerlicher Bonus obendrauf:

Beitraege bis 1.800 Euro pro Jahr koennen zudem als Sonderausgaben in der Steuererklaerung abgesetzt werden. Je nach Einkommensteuersatz ergibt das eine zusaetzliche Steuerersparnis von mehreren Hundert Euro pro Jahr. Die Ansparphase ist komplett steuerfrei – besteuert wird erst bei der Auszahlung im Rentenalter.

Wer darf das Altersvorsorgedepot nutzen?

Eine der groessten Neuerungen gegenueber Riester: Der Kreis der Foerderberechtigten wurde massiv ausgeweitet.

  • Arbeitnehmer: Wie bei Riester foerderberechtigt, aber mit deutlich hoeherem Foerderpotenzial.
  • Selbstaendige: Erstmals vollstaendig foerderberechtigt. Im ersten Gesetzentwurf waren Selbstaendige ohne Rentenversicherungspflicht noch komplett ausgeschlossen – nach oeffentlichem Druck wurde das korrigiert.
  • Beamte: Weiterhin foerderberechtigt.
  • Eltern im Erziehungsurlaub: Ebenfalls foerderberechtigt.
  • Geringverdiener: Profitieren besonders stark, da die Kinderzulage als 1:1-Matching schon bei kleinen Eigenbetraegen voll greift.
Altersvorsorgedepot Riester-Rente Riester-NAchfolger

Anlageoptionen: Was kommt ins Depot?

Das Altersvorsorgedepot setzt auf Wertpapiere statt auf Versicherungsprodukte. Konkret erlaubt der Gesetzgeber folgende Anlageklassen:

  • Breit gestreute ETFs (z.B. MSCI World, FTSE All-World)
  • Aktiv verwaltete Investmentfonds (Risikoklassen 1-5)
  • Anleihen und Rentenfonds
  • Mischfonds

 

Nicht erlaubt sind Einzelaktien, Kryptowaehaerungen und andere spekulative Instrumente. Das schraenkt zwar ein, schuetzt aber gleichzeitig unerfahrene Sparer vor sich selbst.

Wichtig: Es gibt zwei Wege. Das ‚Selbstentscheider-Depot‘ erlaubt euch, ETFs vollkommen frei zu waehlen. Das ‚Standard-Depot‘ ist ein Basisprodukt, bei dem der Anbieter die Aufteilung steuert – fuer Menschen, die sich nicht um Details kuemmern wollen.

 

Kosten: Wo der Teufel im Detail steckt

Der Gesetzgeber hat einen Kostendeckel von 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr eingefuehrt. Das klingt schuetzend, ist aber keine automatische Einladung zum Entspannen.

Kostenrechnung über 40 Jahre:

Wer das Standard-Depot mit 1,0 % Gebühren nutzt, zahlt bei 6 % Marktrendite über 40 Jahre rund 65.000 Euro mehr als jemand, der selbst einen ETF mit 0,2 % Gebühren wählt. Fazit: Das Selbstentscheider-Depot mit günstigem ETF ist fast immer die bessere Wahl.

Unser Rat: Wählt einen MSCI World ETF oder FTSE All-World ETF mit einer Gesamtkostenquote (TER) unter 0,2 Prozent. Diese Produkte sind bei allen großen Neo-Brokern kostengünstig besparbar.

Die besten Anbieter im Überblick (Stand April 2026)

Zertifizierte Altersvorsorgedepots gibt es erst ab dem 1. Januar 2027. Viele Anbieter nehmen aber bereits jetzt Vorregistrierungen entgegen. Hier die voraussichtlich relevantesten Platzhirsche:

  • Trade Republic: Marktführer unter den Neo-Brokern, bereits als Anbieter angekündigt. Sehr günstig, schöne App, große ETF-Auswahl. Vorregistrierung empfohlen.
  • Scalable Capital: Einer der größten deutschen Robo-Advisor und Neo-Broker. Große ETF-Auswahl, professionelle Oberfläche.
  • net ZERO: Null Ordergebühren, kostenfrei. Bereits aktiv mit Vorregistrierungsangebot für Altersvorsorgedepot.
  • ING: Als Direktbank mit größtem Kundenstamm wahrscheinlich dabei. Bereits bestehendes Depot kann upgegraded werden.
  • DKB: Günstige Direktbank, ETF-Kompetenz vorhanden.
  • Staatliches Standarddepot: Neu: Ein öffentlicher Träger wird ebenfalls ein eigenes Standarddepot anbieten – transparent und kostengünstig. Ideal für alle, die keinen Anbietervergleich machen wollen.
 

Schaut regelmäßig auf checkpoint-finanzen.de. Wir planen alle zertifizierten Anbieter ab Herbst 2026 ausführlich testen und direkt vergleichen.

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Was ist mit meinem alten Riester-Vertrag?

Eine der meistgestellten Fragen: Was passiert jetzt mit meinem Riester-Vertrag? Die beruhigende Antwort: Nichts – vorerst.

  • Bestehende Riester-Vertraege laufen weiter und koennen weiter bespart werden.
  • Eine Kuendigung ist moeglich, fuehrt aber zur Rueckzahlung aller Zulagen – das solltet ihr vermeiden.
  • Ab 2027 ist ein Wechsel in ein Altersvorsorgedepot moeglich, ohne dass bereits erhaltene Foerderungen zurueckgezahlt werden muessen.
  • Viele Anbieter werden aktiv Uebertragsmoeglichkeiten anbieten.

Unser Rat zum Riester-Vertrag:

Kuendigt nicht voreilig! Prueft stattdessen, ob euer aktueller Anbieter eine Umwandlung anbieten wird. Wenn euer Riester-Vertrag hohe Kosten hat und wenig Rendite abwirft, koennt ihr ab 2027 mit dem Uebertrag einen Neustart wagen – mit allen alten Zulagen im Gepaeck.

Was solltet ihr JETZT schon tun?

Das Altersvorsorgedepot startet offiziell erst am 1. Januar 2027 – aber wer sich jetzt vorbereitet, hat klare Vorteile:

  1. Depot eröffnen (falls noch keins vorhanden): Bei Trade Republic, Scalable oder finanzen.net ZERO ein Depot anlegen. Das dauert 10 Minuten. Sobald die BaFin-Zertifizierung im Herbst 2026 erfolgt, könnt ihr euer Bestandsdepot mit wenigen Klicks zur Altersvorsorge-Variante upgraden.
  2. ETF-Sparplan starten: Warum warten? Legt jetzt schon monatlich los – z.B. in einen MSCI World ETF. Ab 2027 läuft dasselbe Geld dann mit staatlicher Förderung weiter.
  3. Riester-Vertrag prüfen: Schaut nach, wie hoch die Gebühren und die bisherige Rendite eures Riester-Vertrags sind. Diese Information findet ihr im jährlichen Kontoauszug des Anbieters.
  4. Förderung simulieren: Berechnet, wie hoch eure individuelle Förderung sein wird – mit Grundzulage, eventueller Kinderzulage und Steuerbonus.
  5. Bookmark setzen: Lest checkpoint-finanzen.de regelmäßig – wir halten euch auf dem aktuellen Stand, sobald die Anbieter ihre zertifizierten Produkte starten.

Fazit: Lohnt sich das Altersvorsorgedepot?

Klar und deutlich: Ja. Das Altersvorsorgedepot ist in fast jeder Hinsicht besser als die Riester-Rente. Es ist günstiger, renditereicher, flexibler – und endlich können auch Selbständige mitmachen.

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