Versteckte Gebühren bei Neobrokern: Was Trade Republic, Scalable Capital & Co. wirklich kosten

Neobroker haben den deutschen Aktienmarkt revolutioniert. Trade Republic, Scalable Capital, finanzen.net zero und andere Anbieter werben mit kostenlosen Depots und Ordergebühren von maximal einem Euro. Millionen Deutsche haben in den letzten Jahren ein Depot bei diesen Anbietern eröffnet. Doch „kostenlos“ bedeutet nicht immer „ohne Kosten“. In diesem Artikel zeigen wir dir, welche versteckte Gebühren bei Neobrokern auf dich zukommen können – und wie du sie vermeidest.

Das Wichtigste in Kürze:

✅ Depotführung ist bei allen Neobrokern kostenlos
⚠️ Die größte versteckte Kostenfalle ist der Spread – besonders außerhalb der Xetra-Handelszeiten
📅 Payment for Order Flow (PFOF) wird ab Juli 2026 in Deutschland verboten
💰 Für Kleinanleger mit kleinen Ordervolumina sind Neobroker trotzdem meist die günstigste Wahl
💡 Mit den richtigen Strategien lassen sich versteckte Kosten auf ein Minimum reduzieren

Wie können Neobroker so günstig sein? Das Geschäftsmodell erklärt

Bevor wir über versteckte Kosten sprechen, solltest du verstehen, wie Neobroker überhaupt Geld verdienen. Denn eines ist klar: Auch Trade Republic, Scalable Capital und Co. sind keine Wohltätigkeitsorganisationen.

Payment for Order Flow (PFOF): Die wichtigste Einnahmequelle

Das Herzstück des Neobroker-Geschäftsmodells heißt Payment for Order Flow (PFOF). Dabei funktioniert es so: Wenn du bei einem Neobroker eine Aktie kaufst, wird dein Auftrag nicht direkt an eine große Börse wie Xetra geschickt. Stattdessen geht er an einen sogenannten Market Maker, der die Gegenposition zu deinem Trade einnimmt.

Der Market Maker verdient an der Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs (dem sogenannten Spread). Einen Teil dieses Gewinns gibt er als Rückvergütung an den Neobroker weiter – das ist das „Payment for Order Flow“. Bei Trade Republic machten diese Rückvergütungen zuletzt etwa ein Drittel der Gesamterlöse aus.

⚠️ Wichtig: PFOF-Verbot ab Juli 2026
Die EU hat Payment for Order Flow verboten. Ab dem 1. Juli 2026 dürfen deutsche Neobroker keine PFOF-Zahlungen mehr annehmen. Wie sich das auf die Gebührenstruktur auswirkt, ist noch unklar. Experten erwarten jedoch, dass die Broker ihre Einnahmemodelle anpassen werden – möglicherweise durch leicht höhere Ordergebühren oder breitere Spreads.

versteckte Gebühren bei neobrokern PFOF-Verbot ab Juli 2026

Weitere Einnahmequellen der Neobroker
Neben PFOF haben Neobroker weitere Möglichkeiten, Geld zu verdienen:

  • Zinsmarge: Bei Trade Republic und Scalable Capital erhältst du aktuell 2,00 % Zinsen auf dein Guthaben. Die Broker legen das Geld jedoch zu höheren Zinsen an und streichen die Differenz ein.
  • Premium-Modelle: Scalable Capital bietet mit PRIME+ ein Abo-Modell für 4,99 € pro Monat, das unbegrenzt kostenlose Trades ermöglicht.
  • Krypto-Handel: Beim Handel mit Kryptowährungen verdienen Neobroker an deutlich höheren Spreads als bei Aktien und ETFs.
  • Zusatzprodukte: Girokonto, Kreditkarten und weitere Finanzprodukte erweitern die Einnahmebasis.

Die versteckten Kosten bei Neobrokern im Detail

Jetzt wird es konkret: Welche Kosten können bei Neobrokern anfallen, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind?

1. Der Spread: Die größte versteckte Kostenfalle

Der Spread ist die Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufskurs eines Wertpapiers. Du kaufst immer zum höheren Kurs (Ask) und verkaufst zum niedrigeren (Bid). Diese Spanne ist eine implizite Gebühr, die bei jedem Trade anfällt – egal ob bei einem Neobroker oder einer klassischen Bank.

Das Problem: Neobroker arbeiten meist nur mit einem oder wenigen Handelsplätzen. Trade Republic nutzt ausschließlich die LS Exchange (Lang & Schwarz), Scalable Capital primär Gettex. An diesen kleineren Börsenplätzen können die Spreads zu bestimmten Zeiten höher sein als an der Referenzbörse Xetra.

Wann sind die Spreads am höchsten?

Handelszeit Spread-Niveau
9:00–17:30 Uhr (Xetra-Zeiten) 🟢 Eng – orientiert an Xetra
Vor 9:00 Uhr / Nach 17:30 Uhr 🟡 Erhöht – weniger Referenzkurse
Wochenende / Feiertage 🔴 Deutlich erhöht – hohe Volatilität
Bei illiquiden Wertpapieren 🔴 Stark erhöht – geringe Nachfrage


Was sagen die Studien? Die BaFin hat die Ausführungsqualität bei Neobrokern untersucht und kam zu einem differenzierten Ergebnis: Bei kleinen Ordervolumina während der Xetra-Handelszeiten schneiden Neobroker-Kunden oft sogar besser ab als bei klassischen Brokern. Bei größeren Volumina und außerhalb der Haupthandelszeiten können die Spreads jedoch zum Nachteil werden.

2. Eingeschränkte Auswahl an Handelsplätzen

Während klassische Broker oft Zugang zu einem Dutzend oder mehr Handelsplätzen bieten, beschränken sich Neobroker meist auf einen bis drei. Das hat zwei potenzielle Nachteile:

  1. Keine Preisvergleiche möglich: Du kannst nicht prüfen, ob ein anderer Handelsplatz gerade bessere Kurse bietet.
  2. Kein Xetra-Handel: Die meisten Neobroker bieten keinen direkten Zugang zur Referenzbörse Xetra (Ausnahme: Scalable Capital über das teurere PRIME-Modell).

3. Fremdkostenpauschale und Ordergebühren

Die expliziten Kosten sind bei Neobrokern transparent – aber dennoch vorhanden:

Neobroker Ordergebühr Sparplan
Trade Republic 1,00 € 0,00 €
Scalable Capital (Free) 0,99 € 0,00 €
finanzen.net zero 0,00 € 0,00 €
justTRADE 0,00 € 0,00 €

Stand: Januar 2026. Bei finanzen.net zero und justTRADE finanzieren sich die Anbieter ausschließlich über den Spread.

4. Weitere potenzielle Kostenfallen

  • Produktkosten bei ETFs und Fonds: Die jährliche Gesamtkostenquote (TER) fällt unabhängig vom Broker an – liegt bei ETFs typischerweise zwischen 0,10 % und 0,50 % pro Jahr.
  • Währungsumrechnung: Beim Kauf von US-Aktien kann eine Währungsmarge anfallen – prüfe die Konditionen deines Brokers.
  • Depotübertrag: Der Übertrag weg von einem Neobroker kann mit Gebühren verbunden sein (10–25 € pro Position).
  • Krypto-Spreads: Beim Handel mit Kryptowährungen sind die Spreads deutlich höher als bei Aktien – oft 0,5 % bis 2 % oder mehr.

5 Tipps: So minimierst du versteckte Kosten bei Neobrokern

Mit den richtigen Strategien kannst du die impliziten Kosten bei Neobrokern auf ein Minimum reduzieren:


💡 Tipp 1: Handel nur während der Xetra-Zeiten
Kaufe und verkaufe Wertpapiere nur zwischen 9:00 und 17:30 Uhr (deutsche Zeit). In diesem Zeitraum orientieren sich die Kurse an der Referenzbörse Xetra, und die Spreads sind am engsten. Vermeide Trades am Wochenende oder vor Börsenöffnung.

💡 Tipp 2: Nutze Limit-Orders statt Market-Orders
Mit einer Limit-Order legst du den maximalen Kaufpreis (oder minimalen Verkaufspreis) selbst fest. So vermeidest du, zu einem ungünstigen Kurs ausgeführt zu werden – besonders wichtig bei weniger liquiden Wertpapieren.

💡 Tipp 3: Investiere in liquide ETFs und Aktien
Wähle ETFs und Aktien mit hohem Handelsvolumen. Große Indizes wie der MSCI World oder S&P 500 haben typischerweise sehr enge Spreads. Bei Nebenwerten oder exotischen ETFs können die Spreads schnell mehrere Prozentpunkte betragen.

💡 Tipp 4: Nutze kostenlose Sparpläne
Bei allen großen Neobrokern sind ETF-Sparpläne komplett kostenlos. Wenn du langfristig investierst, spare dir die Einmal-Ordergebühr und investiere per Sparplan. Die Ausführung erfolgt automatisch – meist zu fairen Kursen.

💡 Tipp 5: Vergleiche die Kurse vor dem Kauf
Bevor du eine größere Order aufgibst, prüfe den aktuellen Xetra-Kurs (z. B. auf finanzen.net oder onvista). So erkennst du, ob der Spread bei deinem Neobroker gerade ungewöhnlich hoch ist – und kannst gegebenenfalls zu einem besseren Zeitpunkt kaufen.

Fazit: Lohnen sich Neobroker trotz versteckter Kosten?

Ja, für die meisten Privatanleger sind Neobroker die beste Wahl – trotz der hier beschriebenen versteckten Kosten. Der Grund ist einfach: Die expliziten Gebühren bei klassischen Banken sind so hoch, dass sie die potenziellen Nachteile durch den Spread bei Weitem übersteigen.

Ein Beispiel: Bei einer klassischen Direktbank zahlst du für eine 1.000-€-Order schnell 10–15 € an Gebühren. Bei Trade Republic sind es 1 €. Selbst wenn der Spread um 0,1 % ungünstiger wäre (was 1 € entspricht), hättest du immer noch 8–13 € gespart.

✅ Unser Rat:
Für langfristige Anleger mit Fokus auf ETF-Sparpläne und gelegentliche Einzelkäufe sind Neobroker optimal. Wer jedoch häufig handelt, größere Summen bewegt oder Wert auf maximale Handelsplatzauswahl legt, sollte die Alternativen wie SMARTBROKER+ oder klassische Online-Broker in Betracht ziehen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Sind Neobroker sicher?
Ja. Alle deutschen Neobroker werden von der BaFin reguliert. Dein Guthaben ist durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € pro Bank geschützt. Deine Wertpapiere gelten als Sondervermögen und sind bei einer Insolvenz des Brokers geschützt.

Was passiert nach dem PFOF-Verbot ab Juli 2026?
Das ist noch unklar. Die Broker arbeiten an neuen Geschäftsmodellen. Scalable Capital hat bereits eine eigene Handelsplattform (European Investor Exchange) gegründet. Experten erwarten leichte Anpassungen der Gebührenstruktur, aber keine drastischen Preiserhöhungen.

Welcher Neobroker ist der beste?
Das hängt von deinen Anforderungen ab. Trade Republic überzeugt mit dem breitesten Gesamtangebot und einer eigenen Banklizenz. Scalable Capital bietet mehr Handelsplätze und eine Trading-Flatrate. finanzen.net zero punktet mit komplett kostenlosen Orders.

Wie hoch sind die versteckten Kosten wirklich?
Bei liquiden ETFs und Aktien während der Xetra-Handelszeiten sind die versteckten Kosten minimal – laut BaFin-Studie oft sogar günstiger als bei klassischen Brokern. Problematisch wird es nur bei illiquiden Wertpapieren oder Trades außerhalb der Haupthandelszeiten.

Kann ich meinen Neobroker wechseln?
Ja, ein Depotübertrag ist jederzeit möglich und für den aufnehmenden Broker kostenlos. Der abgebende Broker darf laut Gesetz keine Gebühren verlangen. Der Übertrag dauert in der Regel 1–3 Wochen.

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